Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 34: Protokoll der Selbstzerstörung

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 34

 

Protokoll der Selbstzerstörung

„Wer es auf dieser Welt schafft, ohne eine Miene zu verziehen ein normales Leben zu führen, dem ist nicht zu trauen.“
(Haruki Murakami)

So hatten es die Aerosolforscher sicher nicht gemeint, als sie den Aufenthalt im Freien ohne Masken für weitgehend unbedenklich erklärten. Bei ihnen waren die üblichen Vorsichtsmaßnahmen – wie Abstand und Vermeidung von Körperkontakt – immer mitgedacht.

Wer die gestrigen Bilder aus dem Wembley-Stadion gesehen hat, kann sich nur an den Kopf fassen, wenn er einen hat. Tausende englische Fans gerieten außer Rand und Band, lagen sich in den Armen, brüllten und sangen, was das Zeug hielt. Zuvor hatte man ähnliche Szenen bereits aus Budapest, Kopenhagen, St. Petersburg und Bukarest gesehen. Fußball – in Massen genossen – und Abstandhalten gehen einfach nicht zusammen. Genauso wenig wie Fußball und Alkoholverzicht. Wembley könnte als das Ischgl der Deltavariante in die Corona-Geschichte eingehen. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 31: Das optimierte Gesicht

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 31

 

Das optimierte Gesicht

„Man soll den Tod nicht fürchten, damit erweist man ihm zu viel Ehre.“
(Julien Green)

Neulich las ich in einer Tageszeitung, dass immer mehr Menschen, nicht nur in den USA, aber dort vor allem, chirurgische Eingriffe an sich vornehmen lassen, um so auszusehen wie ihre eigenen bearbeiteten Selfies. Dieses Phänomen wurde damit in Zusammenhang gebracht, dass sich die Leute in den Zoom-Konferenzen nun oft selbst sehen und ihnen bei diesen Gelegenheiten vermeintliche Makel auffallen. Das, was sie auf den Bildschirmen sehen, entspricht nicht dem Bild, das sie von sich haben und dem sie entsprechen möchten. Die Maßstäbe für Schönheit liefern die Medien und die vergötterten Influencer, denen sie sich anähneln wollen. Ich erinnerte mich bei dieser Gelegenheit daran, dass Adorno im amerikanischen Exil bereits feststellte, dass viele Amerikaner aussähen wie Vergrößerungen ihrer eigenen Fotografien. … weiter

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