Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 31: Das optimierte Gesicht

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 31
Das optimierte Gesicht
„Man soll den Tod nicht fürchten, damit erweist man ihm zu viel Ehre.“
(Julien Green)
Neulich las ich in einer Tageszeitung, dass immer mehr Menschen, nicht nur in den USA, aber dort vor allem, chirurgische Eingriffe an sich vornehmen lassen, um so auszusehen wie ihre eigenen bearbeiteten Selfies. Dieses Phänomen wurde damit in Zusammenhang gebracht, dass sich die Leute in den Zoom-Konferenzen nun oft selbst sehen und ihnen bei diesen Gelegenheiten vermeintliche Makel auffallen. Das, was sie auf den Bildschirmen sehen, entspricht nicht dem Bild, das sie von sich haben und dem sie entsprechen möchten. Die Maßstäbe für Schönheit liefern die Medien und die vergötterten Influencer, denen sie sich anähneln wollen. Ich erinnerte mich bei dieser Gelegenheit daran, dass Adorno im amerikanischen Exil bereits feststellte, dass viele Amerikaner aussähen wie Vergrößerungen ihrer eigenen Fotografien. … weiter
Clipart oben links von OpenClipart-Vectors auf Pixabay
Bild von Free-Photos auf Pixabay
☛ Alle bisherigen Texte von Götz Eisenberg im Magazin Auswege
☛ Alle aktuellen Texte von Götz Eisenberg im GEWerkschaftsMagazin
Das Thema „Einsamkeit“ ist nicht erst in der Corona-Pandemie entstanden. Schon lange vorher galt sie als eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit – und das in allen hochentwickelten Industriestaaten. Welche Bedeutung dieses Thema hat, kann man daran ersehen, dass es in Großbritannien seit Januar 2020 mit Tracey Crouch zum ersten Mal in der Geschichte eine „Einsamkeitsministerin“ gibt. Dies scheint Sinn zu machen, denn die Zahl der Einsamen geht in allen Ländern in die Millionen. Und Corona hat das ganze noch zusätzlich verschärft. Waren bisher vor allem die Älteren ab Mitte 40 betroffen, so leiden nun auch viele Kinder an Einsamkeit. …
„Ja, die Krise ging vorüber, aber nur, weil du eine 
Menschen neigen dazu, ihre eigenen Leistungen und Fähigkeiten zu überschätzen, selbst wenn sie durch objektive Informationen eines Besseren belehrt werden. Ein Grund dafür ist, dass positives Feedback länger in Erinnerung bleibt als negative Rückmeldungen.
Immer mehr Menschen in unseren Breiten haben das Gefühl, sich im Leben am falschen Platz oder auf der falschen Spur zu befinden. Immer mehr leiden unter Burnout, Energie- und Antriebslosigkeit und massiver werdenden körperlichen Problemen. Sie fühlen sich in ihrer Haut nicht zuhause, „spüren“ sich nicht und haben ihre Identität verloren.