Am Start: Deutschlands größtes Experiment mit „Alternativer“ „Frei“landhaltung

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

  von Jürgen Scherer*

Kürzlich ist genau das passiert, was vorhersehbar war. Aber als es dann geschah, fielen alle möglichen Leute aus allen möglichen Wolken: „Experten“, „Profis“, „Gebildete“, „Halbgebildete“ und nicht zuletzt „Eingebildete“. Lediglich die CommonsenslerInnen konnten sich auf die Schultern klopfen. Ihnen konnte weder davor noch danach jemand etwas vormachen.

Wer einigermaßen aufmerksam die politische Großwetterlage in unserer Republik beobachtet hatte, wusste, dass in S-A die „AfD“ die Landtagswahlen haushoch gewinnen würde. Als es dann geschehen war, traten die „Altparteien“ und ihre Auguren bass erstaunt vor die Presse und taten was? Sie spulten die altbekannten Sprüche ab, obwohl sie wochenlang Zeit gehabt hätten, sich etwas substantielles Alternatives zu überlegen. Stattdessen: Same procedure as Yesterday… Und schwuppdiwupp konnte sich die „AfD“ darauf freuen, den einmaligen „Frei“landversuch „Wir schaffen das alte Deutschland“ starten zu können. Frei nach dem bekannten Fußballermotto: „Jetzt geht’s los!“ Wohin wird sich zeigen! Denn außer der Fasthälfte der Wahlbevölkerung, die diese Partei gewählt hatte, gibt es ja auch noch den anderen Teil, der diese Partei nicht an der Macht sehen will.

Was wird dieser Bevölkerungsteil machen? Wird er resigniert katapultieren und den taktischen „Durchmarschierern“ vom rechten Rand das Feld überlassen oder wird er die Zivilcourage aufbringen und solidarisch gegen den Abbau demokratischer und menschenrechtlicher Grundlagen angehen – auch im Beamtenapparat und den Medienhäusern? Was wird die Bevölkerung in den anderen 15 Bundesländern unserer Republik tun? Wird sie nur hämisch grinsend sagen: „Das habt ihr nun davon!“ „Jetzt seht mal zu, wie ihr die Suppe, die ihr euch eingebrockt habt, selbst auslöffelt!“ Oder werden sich basisdemokratische Initiativen bilden, die den Menschen in S-A, die dafür offen sind, dauerhafte und tatkräftige Unterstützung anbieten, quasi Partnerschaften zur Erhaltung und Förderung demokratisch-menschenrechtlicher Gepflogenheiten, um so den „Frei“landversuch: ein rückwartsgewandtes, altbackenes, scheinheilig-solidarisches ostdeutsches Biotop zu installieren, nachhaltig zu stören und letztlich zu verunmöglichen? Und: Wird es den machtblinden, kriegsverwirrten „Altparteien“ in unserem Land endlich gelingen, quasi flankierend zu basisdemokratischen Initiativen eine Politik zustande zu bringen, die den wirklichen Interessen von uns allen gerecht wird? Weg von Militarismus und Kriegereivorhaben.

Hin zu Investitionen in die tatsächlichen Problembereiche unseres Land: Bildung, Gesundheit, Arbeitsplätze, Armutsbekämpfung, soziale Gerechtigkeit und nicht zuletzt: endlich diplomatisch intensive Politik für Frieden in Europa inkl. Völkerverständigung – auch mit Russland! Die Losung, die Willy Brandt ausgegeben hat: „Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein!“ ist ohne Wenn und Aber weiterhin gültig.

Insofern könnte der geplante „Frei“landversuch, den die „AfD“ in S-A in Angriff nimmt zu einem veritablen Lackmustest für die Stärke und Wehrhaftigkeit unserer Demokratie werden, wenn zugleich unsere wirklichen Interessen als Leitlinien zum Tragen kommen werden und die Dauerbevormundung durch die „Altparteien“ durch das wirkliche Ernst nehmen demokratischer Mitbestimmung unserer Bevölkerung konstruktiv umgesetzt würde. Es muss ein basisdemokratischer Ruck durch Deutschland gehen!

Wenn nicht jetzt, wann dann?!


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN

 

Anmerkungen zur AfDlerei im Osten unserer Republik

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

   von Jürgen Scherer*

Am kommenden Sonntag steht keine Weltuntergangswahl für die BRD an, aber auch keine Petitessenentscheidung. Schauen wir uns ein wenig genauer und ausführlicher an, was da im Osten unserer Republik anscheinend vor sich geht:

In unserer gesamten Republik geht ja immer wieder ein Staunen und Raunen durch die Menschen und oft auch ein ungläubiges Kopfschütteln angesichts des anscheinend nahezu unaufhaltbaren Zuspruchs zur „AfD“ im Osten unseres Landes; und das obwohl ein Verfassungsschutzbericht nach dem anderen feststellt, dass diese Partei gesichert(!) rechtsextrem sei, von einigen ihrer führenden Köpfe mal ganz abgesehen! Aber darum schert sich eine große Zahl an ostdeutschen Landsleuten einen Kehricht. Wie aus reinem Trotzverhalten geben sie dieser Partei ihre Stimme. Und wenn tatsächlich alles so läuft, wie sich die Parteistrategen der „AfD“ das wünschen und worauf sie jahrelang hingearbeitet haben, wird am kommenden Sonntag die Voraussetzung dafür geschaffen, dass in absehbarer Zeit ein Politiker dieser Partei zum Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt gewählt werden könnte. Trotz aller Unkenrufe namhafter Historiker, Politikwissenschaftler und gestandener DemokratInnen sowie demokratischer Initiativen in unserem Land. Weiterlesen

„Warum wählen immer mehr ArbeiterInnen in Deutschland die AfD?“

Am 17.4.2025 wurde auf LabourNet Germany das Dossier zum Thema <Warum immer mehr ArbeiterInnen die AfD wählen> veröffentlicht. Aus verschiedenen thematischen Zusammenhängen werden folgende Bereiche diskutiert:

  • „Anker der Arbeiterschaft? Die Bindung der Linken an die einstige Kernklientel kann erneuert werden
  • Warum wählen welche Arbeiter:innen eine rechtsextreme Perspektive? Vor den »Gegenstrategien« kommt die Analyse
  • Die verlorene Ehre der Arbeiter: Wie Populisten die Problemrohstoffe der Gesellschaft ausnutzen
  • Klassenbewusstsein und Wahlentscheidung: Klasse als politischer Kompass?
  • Die Kommunalwahlen in Ostdeutschland: Auf dem Weg zur ›Arbeiterpartei‹?
  • Welche spezifischen Gründe gibt es für Beschäftigte in der Automobilindustrie, AfD zu wählen? 
  • Treffen zum Thema „Antifaschismus und Klassenkampf“ in Berlin im Juni 2024 debattierte über die „Rebellion gegen den Mainstream und das System“
  • DAS UMFRAGEHOCH DER AFD. Aktuelle Erkenntnisse über die AfD-Wahlbereitschaft aus dem WSI-Erwerbspersonenpanel“

 Das Dossier lesen

 

Brandmauer unter Druck: Wo sie steht und wo sie fällt

Erste gesamtdeutsche Analyse zu kommunalen Kooperationen der etablierten Parteien mit der AfD

Die vielbeschworene Brandmauer, also die Ablehnung von Kooperationen mit der AfD, erweist sich in ostdeutschen Kreisen als ähnlich stabil wie in westdeutschen. Dieser Befund überrascht – lagen die Wahlergebnisse der AfD bei der Bundestagswahl im Osten doch fast doppelt so hoch wie im Westen. In Kreistagen und Stadträten wurden in den Jahren 2019 bis 2024 bundesweit rund 81 Prozent der von der AfD eingebrachten Anträge abgelehnt. Im Durchschnitt gab es dabei nur einen geringen Unterschied zwischen den alten und den neuen Bundesländern. Auffällig ist jedoch, dass in ländlichen Regionen Ostdeutschlands tendenziell häufiger mit der AfD kooperiert wurde als in ländlichen Gebieten Westdeutschlands. Dies zeigt die erste flächendeckende Analyse zum Zustand der Brandmauer auf kommunaler Ebene, die Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) jetzt vorgelegt haben. Weiterlesen

Das Opferlamento

Der Kommentar zum Zeitgeschehen

von Jürgen Scherer*

E i n Erfolgsgeheimnis der „AfD

Eigentlich sollte man denken über die und zu der „AfD“, deren Parteiname immer in Anführungszeichen gesetzt werden sollte, sei schon alles bekannt und gesagt: Angefangen vom Gaulandschen Ausspruch „Wir werden Sie jagen“ , über Frau Weidels intolerant-fremdenfeindliches Remigrationsgehabe bis zur richterlich festgestellten Aussage, dass Höcke als Faschist bezeichnet werden darf.
Man sollte doch meinen, dass solche Merkmale genügen sollten, dass eine solche Partei nicht gewählt werden sollte. Schließlich hat Deutschland faschistische Zeiten mit all deren unmenschlichen Auswirkungen hinter sich.
Weit gefehlt!

Diese Parteienvertreterin der Außenseiter, Underdogs, Verkannten, Ausgegrenzten und Vergessenen erhält trotz ihrer Traditionslinie von Barbarossa bis Hitler äußerst regen Zuspruch. Was geht da ab? … weiter


*Jürgen Scherer ist ehemaliger Lehrer für Geschichte und Politik an einer hessischen Gesamtschule und GEW-Mitglied. Er schrieb früher für das Magazin Auswege, jetzt für das GEW-MAGAZIN.
Bild von Sven Neusser auf Pixabay

 

 

 

 

Neun Aphorismen gegen rechts

Wer sich von der Politik gelinkt fühlt,
tendiert nach rechts.
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Vorsicht vor politischer Dummheit,
denn um sich an die Macht zu boxen,
ist sie klug genug.
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Rechtsradikale PolitikerInnen wollen nicht mitspielen –
sie wollen alleine spielen.
***
Die AfD ist ein Paradoxon –
sie hält sich für alternativlos.
***
Die hohen Zustimmungswerte für die AfD
belegen das Versagen
des deutschen Bildungswesens.
***
Die AfD gibt sich anschmiegsam,
aber wehe, sie käme an die Macht –
sie würde Deutschland genauso zerstören
wie seinerzeit die NSDAP.
***
Die demokratischen Parteien
tragen das politische System unseres Landes –
die AfD lässt sich von ihm tragen.
***
Man muss nicht gegen rechts sein,
aber die Rechten agieren so abstoßend,
dass es keine Alternative dazu gibt.
***
Wer die Vielfalt in unserer Gesellschaft nicht erträgt,
muss einfältig sein.


© 25.01.2025 von H. A.
Der Name des Autoren ist der Red. bekannt, wird hier jedoch aus Sorge vor rechten Gewalthandlungen verschwiegen.
Anm. der Red.: So weit sind wir schon wieder!
Bild von Bruno auf Pixabay

 

Fachzeitschrift „sportunterricht“ untersucht die Position der AfD zum Schulsport

Veröffentlichung als wichtiger Beitrag zur aktuellen Debatte über die Werte des Sports und deren gesellschaftliche Bedeutung

Mitteilung: Uni Augsburg

Die neue Ausgabe der Fachzeitschrift sportunterricht analysiert die sportpolitischen Positionen der Alternative für Deutschland (AfD) in Bezug auf den Schulsport. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Augsburg sowie weiterer Universitäten untersuchen, welche Werte und Zielsetzungen die Partei im Bereich des Schulsports vertritt und wie diese in den gesellschaftlichen und sportpädagogischen Kontext einzuordnen sind. Weiterlesen

Terre des Hommes kritisiert Kinderpolitik der AfD: Kindgerechte Bildung statt autoritärer Schulen

Eine heute veröffentlichte Terre des Hommes-Analyse zeigt, dass Positionen der AfD in wesentlichen Punkten der UN-Kinderrechtskonvention widersprechen.

„Wir starten eine Informationskampagne, um auf die Gefahren aufmerksam zu machen, die die Positionen der AfD für das Wohl und die Rechte von Kindern mit sich bringen. Dieses Thema wurde bisher viel zu wenig beachtet und analysiert“, sagt Joshua Hofert, Vorstandssprecher von Terre des Hommes. Weiterlesen

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