Empfänglichkeit für Verschwörungsmythen mit 2. Corona-Welle gesunken, doch soziale Spaltung in der Pandemie setzt sich fort

Neue Ergebnisse der Erwerbspersonenbefragung

Bericht: Hans-Böckler-Stiftung

Parallel zum Aufflammen des Infektionsgeschehens und zum „Lockdown Light“ ist die Empfänglichkeit für Verschwörungsmythen zur Corona-Pandemie in Deutschland deutlich zurückgegangen – um fast ein Drittel. Zugleich hat aber auch die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Bundesregierung in der Bevölkerung spürbar abgenommen. Neben der Angst, an Covid-19 zu erkranken erreicht auch die Sorge um den gesellschaftlichen Zusammenhalt einen neuen Höchststand. Und das kommt nicht überraschend: Die Zahl der Erwerbspersonen, die durch die Pandemie Einkommensverluste erlitten haben, ist weiter gestiegen. Und besonders häufig betroffen sind Erwerbstätige mit bereits zuvor niedrigen Einkommen, die seltener von Sicherungsmechanismen am Arbeitsmarkt erfasst sind. Damit erhärten sich die Indizien für eine Zunahme der sozialen Ungleichheit im Zuge der Corona-Krise, wie neue Ergebnisse aus der Erwerbspersonenbefragung der Hans-Böckler-Stiftung zeigen. Weiterlesen

Warum hungern Menschen in einer reichen Welt?

Rezension des gleichnamigen Buches von Hermann Lueer

von Klaus Hecker

Hermann Lueer erläutert seine Argumente gegen die Marktwirtschaft, die er als die Ursache des weltweiten Hungers dingfest macht, in vier Kapiteln:

  • Kapitel 1: Warum regiert das Geld die Welt?
  • Kapitel 2: Wie wird man Milliardär, während andere verhungern?
  • Kapitel 3: Warum entwickeln sich “Entwicklungsländer” nicht?
  • Kapitel 4: Der unerschütterliche Glaube an die Marktwirtschaft

Und so geht es los – mit hoher Anschaulichkeit, die trotz theoretischen Tiefgangs durchgehalten wird. Man muss weder Ökonomie noch Politik studiert haben, um dem Autor folgen zu können. … weiter

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 14: Hereinbrechende Ränder

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 14

Hereinbrechende Ränder

„In der Einstellung zu ihren Randzonen
enthüllt sich eine Gesellschaft als ganze.“
(Jean-Claude Schmitt)

Am Samstagvormittag hatte ich mich mit einem Freund zu einem Spaziergang verabredet. Wir trafen uns am Marktplatz. Als wir losgehen wollten, drang aus einer Seitenstraße martialisches Gebrüll. Es klang, als ginge es Leben und Tod. Jemand rannte in diese Richtung und rief in unsere Richtung: „Wenn ihr mal brutale Polizeigewalt sehen wollt, kommt mit.“ Wir folgten dem Mann in gebührendem Abstand. In Höhe des Stadtkirchenturms sahen wir, dass vor einer Kapelle ein heilloser Tumult herrschte. Beschimpfungen flogen durch die Luft. Hier trifft sich seit Jahren eine harte Trinkerszene. Ein Freund, der ein paar Häuser weiter wohnt, berichtet mir immer wieder, mit wie viel Lärm die Anwesenheit dieser Leute verbunden ist, und zwar rund um die Uhr. Aus der Entfernung sahen wir, dass die Polizei bereits vor Ort war. Wahrscheinlich war zwischen den Hardcoretrinkern ein Streit ausgebrochen, der handgreiflich ausgetragen wurde, und Anwohner hatten die Polizei informiert. Die Lage war unübersichtlich und wir beschlossen, einen Bogen um den Schauplatz der Auseinandersetzung zu machen. … weiter

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Alle bisherigen Texte von Götz Eisenberg im Magazin Auswege

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Corona, die Klassen-Krankheit

Die Wochenzeitung “Der Freitag” hat ein am 2.7.2020 aufgenommenes Gespräch zwischen Jakob Augstein (Freitag-Verleger) und dem Elitenforscher Michael Hartmann als Podcast veröffentlicht (32 Min.): Die Corona-Pandemie trifft die unteren Schichten ganz besonders.

Corona, die Klassen-Krankheit
Jakob Augstein spricht mit dem Soziologen und Elitenforscher Michael Hartmann über soziale Ungleichheit und Ausschlussmechanismen in Zeiten der Corona-Krise. Den Podcast anhören

“Wie das Fernsehen die Unterschichten vorführt”

OBS-Diskussionspapier analysiert Zerrbilder und identifiziert Klischees in der Armutsberichterstattung
 
Bericht: Otto Brenner Stiftung (OBS)
 
Angehörige der Unterschichten bekommen im „Unterschichtenfernsehen“ ein Zerrbild von sich selbst präsentiert – und die übrige Gesellschaft ignoriert das weitgehend: sowohl die Armut selbst, die mitten im reichen Deutschland existiert, als auch die medialen Klischees, die über die Betroffenen verbreitet werden. Dieses kritische Resümee zieht Autor Bernd Gäbler in „Armutszeugnis“, einer neuen OBS-Publikation über Fernsehberichterstattung.

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Corona – eine Krankheit der Weißen?

von Klaus Hecker

Dieses Mal ist es umgekehrt als gewohnt. Während Afrika gemeinhin als großes Ansteckungsrisikogebiet von allerlei Krankheiten und Seuchen gilt, droht die Gefahr nun Afrika aus den Metropolen des Weltkapitalismus.

Dieser These möchte ich im Folgenden nachgehen und die Frage aufwerfen, ob hier nicht eine Ideologisierung, dazu noch in die falsche Richtung, betrieben wird. Und das wäre nur der Auftakt dazu, die Corona-Frage in eine kapitalismuskritische, also letztlich in eine Systemfrage zu überführen. … weiter


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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 13: Wir kleinen überspannten Säugetiere

Tagebuch

 

Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 13

Wir kleinen überspannten Säugetiere

Krisen wie die, die wir gerade er- und durchleben, erfassen im Unterschied zu ‚bloß‘ ökonomischen Krisen den Innenbau der Menschen und erschüttern ihre geistige und seelische Grundausstattung. Sie stellen ihre Gewissheiten in Frage und bringen eingespielte Gleichgewichtszustände zum Einsturz. Das kann psychopathologische Reaktionen auslösen.

Ich merke das unter anderem daran, dass mich in der Stadt vermehrt Leute ansprechen, die, um es vorsichtig auszudrücken, auf dem schmalen Grat zwischen Wahnsinn und Vernunft balancieren und im Augenblick Angst haben, abzustürzen. Ich nenne sie in Anlehnung an Woody Allens Stadtneurotiker und im Unterschied zu ihm Stadtpsychotiker. Die äußeren Turbulenzen wirbeln den seelischen Bodensatz der Person auf und setzen einen psychischen Regressionsprozess in Gang, dessen Fallhöhe, oder besser -tiefe ungewiss ist. Das hängt unter anderem von der Festigkeit und Stabilität des Ichs und des gesamten Subjektaufbaus ab. Je labiler ein Mensch ist, desto mehr werden solche Krisen ihn durcheinanderbringen. Der Angstpegel steigt, Panik flackert auf. Die verunsicherten Menschen suchen nach Struktur, Halt und Orientierung. … weiter

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Bild rechts von Michael Schwarzenberger auf Pixabay


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Need money, not friends

Ein Kommentar von Detlef Träbert

Kürzlich kreuzte in einem Supermarkt ein vielleicht zehnjähriger Junge meinen Weg. Er trug ein Sweatshirt mit der großen und weithin sichtbaren Aufschrift „NEED MONEY, NOT FRIENDS“. Ziemlich fassungslos trug ich dieses Bild in meinem Kopf nach Hause.

Ein paar Internet-Recherchen zeigten mir, dass der Slogan weit verbreitet ist und aus dem Rap stammt, aber auch eine offensichtlich sehr erfolgreiche Geschäftsidee geworden ist. Es gibt nicht nur diverse T- und Sweatshirt-Versionen damit, sondern auch Baseball-Kappen, Handyhüllen, Kaffeebecher, Kochschürzen, Sofakissen, Bauchtaschen oder Aufkleber, um alle möglichen weiteren Alltagsgegenstände damit zu infizieren – sorry, zu dekorieren natürlich. … weiter


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