Negativ ist das neue Positiv

Ein Plädoyer für die Aktion „allesdichtmachen“

 

von Brigitte Pick

Es wird uns Mitarbeitern der ›Weltbühne‹ der Vorwurf gemacht, wir sagten zu allem Nein und seien nicht positiv genug. Wir lehnten ab und kritisierten nur und beschmutzten gar das eigene deutsche Nest. Und bekämpften – und das sei das Schlimmste – Haß mit Haß, Gewalt mit Gewalt, Faust mit Faust…….. Laßt uns auch weiterhin Nein sagen, wenn es not tut! Es ist das Thema des Aischylos.1)

Es lohnt sich den Aufsatz von Tucholsky in der Weltbühne vom März 1919 zu lesen, aktuell wie vieles von ihm.

Die aufgeblasene Kritik an den 53 Schauspielern und ihren harmlosen Videos treibt mir den Blutdruck in die Höhe. Sie kritisieren durch ironisch verfremdete Rollenprosa eine staatliche Lockdown-Politik, die viele ihrer Kollegen mit einem faktischen Berufsverbot belegt. Weiterlesen

Die Ökonomisierung der Krankenhäuser geht weiter

von Brigitte Pick

Wie eine Neutronenbombe zerstört Covid-19 unseren Lebensstil, ohne dabei unsere materielle Welt zu beschädigen.

Paradoxerweise werden wir in einer Welt, die moderner nie war, mit individuellen und kollektiven Bewältigungsmustern konfrontiert, die uralt und archaisch anmuten. Im Hochmittelalter (14. Jhdt.) wurde Venedig als führende Handelsmacht zum Einfallstor für die erste schwere Pestepidemie. Man richtet zwei Quarantäne-Inseln vor Venedig ein, auf denen man sowohl die Waren als auch die Personen zunächst einmal lagerte, bei denen man Angst hatte, dass sie diese Pest mitbringen können.  Aber bereits im 3. Buch Mose, das zwischen dem 5. und 8. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist, finden sich Praktiken zu Isolation und Quarantäne.

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1) https://www.uni-regensburg.de/pressearchiv/pressemitteilung/1065918.html Ein Interview mit PD Dr. Jörg Zedler vom Lehrstuhl für Bayerische Landesgeschichte über die Geschichte der Quarantäne von Tanja Wagensohn vom 6.5.2020

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Ein Reset als Neustart?

Eine Bestandsaufnahme und ein Ausblick

von Brigitte Pick

“Der Planet ist kaputt”, erklärte UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer aufrüttelnden Rede an der Columbia University am 2. Dezember: “Die Menschheit führt Krieg gegen die Natur. Das ist selbstmörderisch. Die Natur schlägt immer zurück – und sie tut es bereits mit wachsender Kraft und Wut.” Über den Satz mag man streiten, es steht jedoch fest, wir müssen mit und nicht gegen die Natur leben.

Seit Wochen leben wir wieder mit Einschränkungen, die eine Mehrheit gelassen zu ertragen scheint, mit der Einsicht, alles hinnehmen zu müssen, was der Staat für unsere vermeintliche Sicherheit tut. Einstein soll bemerkt haben: Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem ein Schaf sein. Eine ständige Dramatisierung der Lage mit virologischen Tunnelblick rechtfertigt die politischen Entscheidungen und hilft sonst niemandem. Befolgt, was die Politik entscheidet, ist das Motto. … weiter

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Das Spiel mit der Angst

Resümee und Ausblick

von Brigitte Pick

„Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet.“
Carl Schmitt in „ Politische Theologie“ 1922

Corona beschäftigt die Welt nun seit 7 Monaten. Am 11. März 2020 erklärte die WHO Covid 19 zur Pandemie weltweit. Debatten werden nicht geführt, Kritiker verunglimpft, Rechte wittern ihre Chancen und machen es den Leitmedien leicht, über Kritik an Maßnahmen gegen die Pandemie mit erheblichen Grundgesetzeinschränkungen hinwegzusehen und die Menschen als Psychopathen abzuwerten.

Bislang war Konsens, dass in einer Demokratie abweichende Positionen in Wissenschaft und unterschiedliche Ansichten von Bürgern auszuhalten sind. Hört man dem Stammtisch zu, lautet die Aussage, uns geht es doch gut, wir können uns wieder in der Kneipe treffen. … weiter


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„Der Kapitalismus ist der Wirt, der Virus nur (s)ein Gast.“

von Brigitte Pick

Ein internes Papier des Bundesinnenministeriums „nur für den Dienstgebrauch“ von Mitte März 2020 fand seinen Weg ins Netz und lässt einen beim Lesen erschrecken, ob des Zynismus und des Fehlens von Fakten. Man plant im Rahmen der Covid-19 Pandemie die Schocktherapie wie aus dem ökonomischen Bereich bekannt und von Naomi Klein eindringlich beschrieben.

Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung wurde das Strategiepapier vom 19. bis 22. März von einer “Gruppe von rund zehn Fachleuten” verfasst, darunter Wissenschaftler des Instituts der deutschen Wirtschaft und vom RWI-Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung.

Auf S. 13 ist zu lesen, wie man abschrecken will. … weiter

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Vom Elend der Corona-Krise

von Brigitte Pick

Einige Momentaufnahmen:

Am Samstag früh auf dem Markt halten die Menschen in den Schlangen gewissenhaft einen Abstand von zwei Metern ein. Beim Bäcker warten die Menschen sogar vor der Tür im vorgeschriebenen Abstand. Es ist früh und noch nicht viel los. Als ich die Wartende lobe für ihr vorbildliches Verhalten ernte ich böse Blicke.

Ich bin über 70, keine Risiko-Gruppe, da keinerlei Vorerkrankung, aber das steht nicht auf der Stirn geschrieben. Solidarität sei das Gebot der Stunde, so die Kanzlerin, aber eigentlich ist der Mitmensch jetzt dein Feind, da potentieller Virusträger. Bleib zu Hause, Alte, liest man in den Gedanken. Neulich hörte ich den Spruch: Was willst du hier, du gehörst auf den Friedhof. … weiter


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Wer von Neonazismus redet, kann über den Kapitalismus nicht schweigen

Einige Anmerkungen zur Heuchelei und Hilflosigkeit gegen rechts

von Brigitte Pick

Am 27. Januar 2020 jährte sich zum 75-mal die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Vor unserem Wohnhaus in Friedenau befinden sich zwei Stolpersteine in Gedenken für das jüdische Ehepaar Matzdorf, das seit 1926 hier wohnte und zwei Töchter hatte.

Dr. Martin Matzdorf war Richter am Amtsgericht Berlin- Tempelhof, seine Frau ließ sich an der Kunstgewerbeschule ausbilden.. Ab April 1933 war Dr. Martin Matzdorf zwangsweise beurlaubt, ab November 1933 erhielt er Berufsverbot nach § 3 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums mit Ruhegehalt von 293 RM netto monatlich. Dr. Martin Matzdorf wurde zur Zwangsarbeit herangezogen.

Er war als Arbeiter für die Firma Schubert in Reinickendorf tätig und erhielt hierfür einen Wochenlohn von ca. 20 RM netto. Ab Februar 1941 musste das Ehepaar Matzdorf zwei jüdische Untermieterinnen aufnehmen, ehe sie am 1. November 1942 die Wohnung verlassen mussten, um zwangsweise in ein möbliertes Zimmer bei einem jüdischen Hauptmieter in der Nähe umzuziehen. Am 14. Dezember wurden die Eheleute Matzdorf nach Auschwitz deportiert, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. … weiter

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