Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 64: Die Normalisierung des Grauens

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 64

 

Die Normalisierung des Grauens

„Ich sehe den breiten Streifen Grün unter der Mauer, den klaren, blauen Himmel darüber und das Sonnenlicht überall. Das Leben ist schön. Mögen es die kommenden Generationen von allem Übel, aller Unterdrückung, aller Gewalt befreien und es in vollem Maße genießen.”
(Leo Trotzki, Testament)

Die Befreiung Chersons erweist sich als Danaer-Geschenk. Die russische Armee hat sich ans gegenüberliegende Flussufer zurückgezogen und dort gewartet, bis die Bewohner in die Stadt zurückgekehrt waren, um sie nun umso heftiger mit Granaten zu beschießen und ihnen das Leben zur Hölle zu machen. Die ganze Sinnlosigkeit und Absurdität des Krieges wird hier noch einmal offenbar. Befreite Menschen, die nun zu erfrieren und zu verhungern drohen oder von Raketen und Granaten zerfetzt werden. Jan Philipp Reemtsma hat für diese Form der Gewalt, wie sie die russische Armee  praktiziert, den Begriff „autotelische Gewalt“ geprägt. Von instrumentellen Gewaltformen, die Gewalt zweckgerichtet zur Erreichung eines Ziels einsetzen, unterscheidet er die autotelische Gewalt, die den Körper schädigen oder zerstören will. Ihr begegnet die moderne, westliche Wahrnehmung mit größter Irritation. Es sind die Exzesse motivationsloser Gewalt, die die Verbindungen zu einer wie auch immer gearteten instrumentellen Vernunft gekappt zu haben scheinen und nicht mehr zum Kreis regulär zu erwartender Ereignisse zählen. Amoktaten gehören hierhin und hinterlassen uns meist ratlos. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 63: Kollateralschäden

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 63

 

Kollateralschäden

Wahrscheinlich sind Menschen, die einmal im Krieg waren, lebenslang im Krieg, und die einmal fliehen mussten, sind für immer wurzellos.“
(Ralf Rothmann)

Meine Verbindung zur Welt trocknet aus. An manchen Tagen ist U der einzige Mensch, zu dem ich Kontakt habe und mit dem ich spreche. Daran hat die Pandemie ganz sicher ihren Anteil, aber sie erklärt es nicht zur Gänze. Meine Einbindung in die Welt war immer schon instabil und brüchig. Mit dem frühen Tod meiner Mutter entstand ein Riss, der sich nie richtig schloss. Und eine namenlose Angst, die immer blieb und in zahlreichen Gewändern und Gestalten auftauchte.

Sicher gab es glückliche Perioden, meist vermittel über die Liebe zu einer Frau. Der Verlust einer Frau hatte den Riss erzeugt, das glückliche Zusammensein mit Frauen vermochte ihn vorübergehend zu kitten. Aber mein Lebensgrundgefühl blieb Angst und ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Glück, dessen nahendes Ende ich immer schon vorhersah. Angst bindet an die Vergangenheit und macht unfrei. … weiter

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Friedensbewegung demonstriert am Samstag, 1. Oktober für ein Ende des Ukraine-Krieges, für Diplomatie und Abrüstung

Termin Nürnberg: siehe am Ende der Seite


Mitteilung: Kooperation für den Frieden

Bonn/Frankfurt: Mit Demonstrationen, Kundgebungen und Mahnwachen für ein Ende des Ukraine-Krieges, für Diplomatie und Abrüstung geht die Friedensbewegung am Samstag, 1. Oktober, auf die Straße. In Berlin, Kassel, Braunschweig, Frankfurt, Köln, Stuttgart und an zahlreichen anderen Orten organisieren regionale Friedensorganisationen, Gewerkschaften und Parteien unter dem Motto „Schluss mit dem Krieg, sofortiger Waffenstillstand – Verhandeln statt Schießen. Keinen Euro für Krieg und Zerstörung, sondern Milliarden für eine weltweite soziale, gerechte und ökologische Friedenspolitik!“ diesen bundesweiten dezentralen Aktionstag. Sie folgen damit einem Aufruf der beiden bundesweiten Netzwerke „Bundesausschuss Friedensratschlag“ und „Kooperation für den Frieden“, entschieden den Politikwechsel hin zu Frieden und Abrüstung zu fordern. Weiterlesen

Internationaler Friedenstag und UN-Generalversammlung: „Die Zeit für eine diplomatische Initiative ist jetzt!“

Friedensnobelpreisträger richtet Offenen Brief an Außenministerin Annalena Baerbock und fordert eine Verhandlungsinitiative im Ukraine-Krieg

Mitteilung: IPPNW

Zum Internationalen Friedenstag und anlässlich der UN-Generalversammlung richtete sich heute die Friedensnobelpreisträger-Organisation IPPNW in einem Offenen Brief an Annalena Baerbock. Sie forderte die Außenministerin dazu auf, die Initiative für multilateral getragene Verhandlungen zu ergreifen, um eine weitere Eskalation des Krieges bis hin zum Atomkrieg zu verhindern.

„Wir sehen jetzt das Zeitfenster und die Notwendigkeit, eine Verhandlungsinitiative anzustoßen. Die Ukraine hat Gebiete befreien können, im Verhältnis Russlands zu China und Indien deuten sich Differenzen an und mit der offenen Kritik der Künstlerin Alla Pugatschowa an dem Krieg steht der russische Präsident Putin auch innenpolitisch unter Druck. Wir appellieren daher an Sie (Frau Baerbock), die Initiative zu ergreifen zu einer multilateral getragenen Vermittlung zu einem Waffenstillstand und Verhandlungen“, heißt es in dem Brief. Weiterlesen

Die Waffen nieder!

Einschätzungen zum Ukraine-Krieg

von Irmgard Freihoffer und Reinhard Frankl
für die AG Perspektiven in der GEW Bayern

Der Krieg Russlands gegen die Ukraine ist durch nichts zu rechtfertigen, er ist völkerrechtswidrig und aufs Schärfste zu verurteilen. Er bedeutet unendliches Leid für die Menschen in der Ukraine, aber auch für russische Soldaten, die ihr Leben lassen müssen.

Dieser Krieg muss sofort beendet werden oder es muss zumindest schnellstmöglich eine Waffenruhe herbeigeführt werden. Wie Militärexperten (z. B. Oberstleutnant a. D. Jürgen Rose, Brigadegeneral a. D. Erich Vad, Oberst Jacques Baud) oder z. B. auch der Politik- und Wirtschaftsberater Michael Lüders feststellen, kann die Ukraine den Krieg auch durch Waffenlieferungen des Westens militärisch nicht gewinnen.
Auch ein gigantisches Aufrüstungsprogramm in Deutschland und anderen NATO-Staaten und Kriegsrhetorik à la Baerbock werden den Krieg nicht beenden, genauso wenig immer schärfere Sanktionen. Auch wenn diese längerfristig Russland schaden, so treffen sie aber vor allem die russische Zivilbevölkerung. Für Öl- und Gaslieferungen, die westliche Staaten ablehnen, wird Russland zumindest mittelfristig andere Abnehmerstaaten finden.

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Diese Einschätzungen erschienen zuerst online auf der Seite der GEW Bayern. Wir danken Irmgard Freihoffer und Reinhard Frankl von der AG Perspektiven für die Erlaubnis, den Text zu veröffentlichen.
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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 58: Von der Gewalt der Abstraktionen

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 58

 

Von der Gewalt der Abstraktionen

„Er fühlte eine durchdringende, giftige Kälte in sich. Sie schüttelte ihn. Er kannte diese Kälte recht gut. Es war die Angst.“
(Jerzy Andrzejewski)

Hitze und kein Ende. Langsam versteppt alles. Das Wasser der Lahn ist aber dennoch erstaunlich kühl und der Pegel überraschend hoch. Allabendlich sehe ich Bilder von ausgetrockneten Bächen und Flüssen, aber die Lahn führt noch genauso viel Wasser wie vor Wochen. Ich kann das ziemlich genau nachvollziehen an den Sprossen der Leiter, über die ich in den Fluss steige. Abends treffen sich einige Leute am Steg, um schwimmen zu gehen. Kein Partyvolk, sondern meist angenehme, ruhige Menschen. Man spricht ein paar Worte miteinander und besteigt dann die Räder, um in die Stadt zurückzufahren. … weiter


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Auch das noch! Putin verarmt und spaltet „uns“

Aber Armutsforschung und Gewerkschaften stehen dem hiesigen Fußvolk zur Seite und kümmern sich – wenn auch um sonst nichts – um den nationalen Schulterschluss

von Frank Bernhardt und Johannes Schillo

Dass es in Deutschland, nicht zu knapp, materielles Elend gibt, ist keine Kritik subversiver Außenseiter mehr, sondern spätestens, seit Rotgrün vor 20 Jahren ganz regierungsoffiziell Armuts- und Reichtumsberichte beschloss, allseits anerkanntes Sorgethema. Wer vom Lohn abhängig ist, wird im Blick auf die Wechselfälle und Härten, die das Lohnarbeiterdasein bereit hält (Krankheit, Arbeitslosigkeit, Invalidität, Altersarmut), regelmäßig begutachtet.

Deutschland kann hier mittlerweile einiges vorweisen, wie eine Bilanz noch vor Beginn des Ukrainekriegs festhielt:  … weiter


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„Attacken aus dem Abseits“

Rudolf Walther hat in der Zeitschrift Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Ausgabe 7/8/22, einen enorm wichtigen Zwischenruf verfasst und nimmt u.a. Jürgen Habermas gegen einige unseriöse Kritiker in Schutz:

Attacken aus dem Abseits
Dem tagelang medial laut verstärkten Streit über die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine fehlte vor allem eines – Besonnenheit, die politisches Handeln in Zeiten des Krieges benötigt. Vor allem bei der Kritik an Habermas‘ Essay „Krieg und Empörung“ fuhren einige der sich zu Wort Meldenden schwere Geschütze (!) auf und manövrierten sich mit Wortwahl und Schaum vor dem Mund selbst ins Abseits. Den ganzen Text lesen

 

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