Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 26: Die Verabredung in Samarra

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 26

 

Die Verabredung in Samarra

„Abservieren, sagst du, leicht gesagt, so wie ein Kampfpilot vom Schleudersitz springt, wenn sein Flugzeug trudelt oder brennt. Doch wie springst du aus einem Flugzeug ab, das lang schon abgestürzt ist und am Grund des Meeres vor sich hinrostet?“
(Amos Oz)

Gestern bin ich mit dem Auto, das, um eine Entladung der Batterie zu vermeiden, nach Wochen mal wieder bewegt werden musste, rausgefahren und in meiner Lieblingsgegend stundenlang umhergegangen. Ich hatte ein Buch dabei und setzte mich in der Frühlingssonne auf eine Bank, um zu lesen und nachzudenken. Ich holte mir das Stück eines Baumstamms, um meine Füße daraufzustellen und es mir richtig bequem zu machen. Lesen und Nachdenken geht natürlich nicht gleichzeitig, und so las ich eine Weile, dachte dann eine ebensolche Weile nach und las dann weiter.
Die Sonne schien aus einem tiefblauen Frühlingshimmel und wärmte schon recht ordentlich. Ich cremte mir den Nasenrücken und die Ohrläppchen ein, die ich mir bei solchen Gelegenheiten oft verbrannt habe. Ein Hippie-Pärchen ging vorüber und grüßte freundlich. Unsere Generation erkennt sich immer noch an gewissen geheimen Zeichen. … weiter

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Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 20: „Die soziale Revolution ist keine Parteisache!“

 

Götz Eisenbergs Durchhalteprosa 20


„Die soziale Revolution ist keine Parteisache!“

Erinnerung: der Raum, in dem etwas
zum zweiten Mal geschieht.“
(Paul Auster)

Safranskis Hölderlin-Biographie habe ich entnommen, dass sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Zahl derer, die lesen konnten, verdoppelte. Zukünftige Historiker werden feststellen, dass sich diese Fähigkeit in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts im Zuge der Digitalisierung wieder zurückbildete.

***

Da, wo vor Kurzem noch Dr. Wodarg auf dem Pflaster stand, steht heute Prof. Ruppert. Die Corona-Leugner treiben eine neue Sau durchs Dorf. Aber es muss natürlich eine akademische Sau sein, mit Titel. Die Respektabilitätskechtschaft ist bei ihnen genauso ausgeprägt wie beim Rest der Bevölkerung. Erfrischend anarchisch dagegen Oscar Wilde, der sinngemäß sagte: Mit den Titeln ist es wie mit den Hämorrhoiden: Irgendwann bekommt sie jedes Arschloch!
In Zürich sah ich mal, dass jemand über die Schilder mit den Berufen, Funkionen und akademischen Graden der Mieter, die neben der Haustür angebracht waren, ein dickes, rotes Na und? gesprüht hatte. Der Anarchismus will die Herren abschaffen, die rebellierenden Staatswichtel sehnen sich nach neuen. … weiter

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 31: Die „Seuche der Anywheres“

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 31

Die „Seuche der Anywheres“

„Vor ungefähr hundertfünfzig Jahren wusste
fast jeder in der Welt, dass er sein Leben
an dem Ort seiner Geburt oder zumindest in der Nähe,
vielleicht im nächsten Dorf, verbringen würde.
Jeder wusste, dass er sich seinen Lebensunterhalt
auf die gleiche Weise verdienen würde wie seine Eltern.“
(Amos Oz)

Wir waren über den Himmelfahrtsfeiertag für ein paar Tage im nordhessischen Kellerwald und sind viel umhergegangen. Rotmilane kreisten über uns, es duftete nach Harz und Holunderblüten. Die Idylle wurde dadurch getrübt, dass viele Fichten grau-braun sind und nach zwei trockenen Sommern absterben. Corona ist dort etwas ganz Abstraktes. Man hört davon, dass Leute sich infizieren und im Extremfall auch daran sterben, aber das ist weit weg und geschieht anderswo.

Die gegen das Virus erlassenen Maßnahmen werden als Oktroi erlebt, wie Erlasse einer fremden Zentral- und Kolonialmacht. Die Maske gilt als Symbol der „Corona-Diktatur“ und wird nur getragen, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Ein verqueres Würdebedürfnis und der Stolz wehren sich gegen die Masken, die zu tragen als Geste der Unterwerfung gilt. Wie ein Eingeborener, der sich einen Schlips umbindet, um sich bei seinen Herren anzubiedern. Wie Donald Trump glauben viele Einheimische, dass das Virus einem chinesischen Labor entsprungen ist und von der kommunistischen Führung auf den Westen losgelassen wurde, „um uns zu schwächen, bis sie alles übernehmen können“. Die Kluft zwischen Stadt und Land ist auch in puncto Corona spürbar. Corona – das haben die Leute in der Stadt. Es ist eine Folge von deren unsteter Lebensweise, die Konsequenz ihrer Hypermobilität.weiter

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 10: Vor sich hin sinnlosen

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 10

Vor sich hin sinnlosen

Es muss Krise sein: Der Mann, der in der Wohnung unter mir wohnt, hat mich gegrüßt. Zum ersten Mal seit Jahren.

Gestern Abend sah ich im Bayerischen Fernsehen eine Folge der alten Polt-Serie Fast wia im richtigen Leben. Herr Knut trifft an der Straßenecke seinen Nachbarn Herrn Meier, der seinen Dackel ausführt. Er fragt ihn, was er so mache. „Eigentlich net vui, eigentlich nix“, erwidert der. Herr Knut, der ein typischer Gschaftlhuber, hochdeutsch ein Macher ist und diese Untätigkeit nicht ertragen kann, lässt nicht locker, setzt nach und fragt, was er denn sonst so unternehme, die ganze Zeit. Irgendetwas müsse er doch machen, allweil. „Ei, nix halt. Wobei nix ist vielleicht zu viel gesagt.“ … weiter

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Foro rechts:  Lizzy Tewordt  / pixelio.de


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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7: Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7

Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts

Es deutet sich in diesen Tagen ein sich zuspitzender Konflikt zwischen ökonomischer und medizinischer Vernunft an. Wobei das ja in „normalen Zeiten“ nicht unbedingt ein Widerspruch ist. Die medizinische Vernunft hat sich unterm Regime des Neoliberalismus dem Diktat der Ökonomie unterworfen, der Geschäftsführer rangiert über dem Chefarzt, Ärzte sind eher „Erwerbsmänner als Krankenfreunde“, wie es schon Platon kommen sah.

Wohlverstandene medizinische Vernunft hätte bedingungslos für die Interessen der Kranken einzutreten und alles so einzurichten, dass sie, wenn möglich, genesen können und vor Krankheit geschützt werden. Die ökonomische Vernunft oder besser: Unvernunft verlangt im Namen des Geschäfts und der Profite nach einer baldigen Exit-Strategie und der Rückkehr zur Wachstumslogik, die medizinische Vernunft rät zu Geduld und zur Verlängerung des Ausnahmezustands. Die Gesundheit der Menschen müsse Vorrang vor den Geschäftsinteressen haben. Das Wiederhochfahren des wirtschaftlichen Sektors nach dem, was man Shut Down nennt, böte die Möglichkeit, das ganze ökonomische System einer anderen Logik zu unterstellen. … weiter

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Bild rechts von Gerd Altmann auf Pixabay


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Erklärfilme zur Globalisierung

gsf Die Bundeszentrale für politische Bildung bietet Erklärfilme zur Globalisierung an.

Die Filme liefern Zahlen und Fakten – grafisch veranschaulicht und kommentiert – zu folgenden Themen an:
Globalisierung
– Gewinner und Verlierer
– Migration
– ökologische Probleme
– Flucht und Vertreibung
– Vernetzung

Unter jedem Filmfenster werden die Bereiche genannt, die im Film angesprochen werden. Die Filme können heruntergeladen und unter Angabe der Quelle verwendet werden. Rechts oben im Filmfenster befindet sich das Icon mit einem Downloadpfeil: Anklicken und „Speichern unter“ wählen. Die Filme haben das Format *.mp4. Sie wurden unter der Lizenz CC BY-NC-ND 3.0 DE publiziert (Namensnennung, nicht-kommerziell, keine Bearbeitung, Deutschland). 

Fazit: Mit diesen Filmchen kann die Problematik „Globalisierung“ etwa ab der 9. Klasse Haupt-/Mittelschule sehr anschaulich und inhaltlich umfassend vermittelt werden. Ein Dossier zum Thema „Globalisierung“ gibt es zusätzlich. Zugreifen. Sehr empfehlenswert!


zur Filmseite des ersten Filmes (Vernetzung) Von dort können auch die anderen Filme aufgerufen werden.

zur Dossierseite mit weiteren Bereichen zum Thema „Globalisierung“


Rezension: G. Schmidt-Falck