17. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 19: „Corona hemmt die Produktion“ · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , ,

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 19

„Corona hemmt die Produktion“

Über realsozialistische und neoliberale Perversionen im Menschenbild

Heroisierung der Arbeiterschaft in der UdSSR

Ende der 1940er Jahre stieß Jean-Paul Sartre in Warschau auf Plakate, auf denen zu lesen war: „Die Tuberkulose hemmt die Produktion.“ Für ihn war das ein Beleg dafür, dass auch der Sozialismus an der Entfremdung der Arbeiter nichts geändert hatte und von einer Anthropologie durchdrungen war, in welcher der Mensch für die Produktion da sein sollte und nicht umgekehrt die Produktion für die Menschen. Die polnischen Arbeiter waren von der Herrschaft des Profits befreit worden, aber lediglich, um unter die Herrschaft einer fetischisierten Produktion zu geraten. Sie hatten die alte Entfremdung gegen eine neue Entfremdung eingetauscht. Für Sartre sollte der Sozialismus eine Gesellschaft sein, in der die Entwicklung des Menschen, und nicht die der ökonomischen Produktion das Hauptziel ist. … weiter

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14. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 16: Ostern ohne Familienfeste · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , , , ,

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 16

Ostern ohne Familienfeste

Das Wort Familienbande hat
einen Beigeschmack von Wahrheit“
(Karl Kraus)

In einem Commerzsender im Radio höre ich Klagen darüber, dass man keine Biergärten und Clubs aufsuchen und nicht die üblichen Flugreisen unternehmen dürfe. Mal eben so übers Wochenende nach Barcelona oder Athen oder London fliegen. „Spaß zu haben“ scheint für eine gewisse Szene der Inbegriff von Freiheit zu sein. Der Freiheitsbegriff erschöpft sich im Ausleben privater Vergnügungen. Insgesamt bekommt man den Eindruck, dass die Leute sich nach ihren üblichen „Zerstreuungen“ im Sinne Pascals (siehe Teil 4) sehnen und in den „Normalmodus“ zurückkehren möchten. Wie hieß es in einem Song der Gruppe Fehlfarben aus den frühen 1980er Jahren: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!“ Immer weiter so, mit Spaß und Konsum und Mobilität – gut gelaunt und leicht bedröhnt auf den Abgrund zu. … weiter

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05. April 2020 · Kommentare deaktiviert für Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7: Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts · Kategorien: Meinungen und Kommentare · Tags: , , , , , , , , ,

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Götz Eisenbergs Corona-Tagebuch 7

Primat der Politik und die Chance eines wirklichen Neustarts

Es deutet sich in diesen Tagen ein sich zuspitzender Konflikt zwischen ökonomischer und medizinischer Vernunft an. Wobei das ja in „normalen Zeiten“ nicht unbedingt ein Widerspruch ist. Die medizinische Vernunft hat sich unterm Regime des Neoliberalismus dem Diktat der Ökonomie unterworfen, der Geschäftsführer rangiert über dem Chefarzt, Ärzte sind eher „Erwerbsmänner als Krankenfreunde“, wie es schon Platon kommen sah.

Wohlverstandene medizinische Vernunft hätte bedingungslos für die Interessen der Kranken einzutreten und alles so einzurichten, dass sie, wenn möglich, genesen können und vor Krankheit geschützt werden. Die ökonomische Vernunft oder besser: Unvernunft verlangt im Namen des Geschäfts und der Profite nach einer baldigen Exit-Strategie und der Rückkehr zur Wachstumslogik, die medizinische Vernunft rät zu Geduld und zur Verlängerung des Ausnahmezustands. Die Gesundheit der Menschen müsse Vorrang vor den Geschäftsinteressen haben. Das Wiederhochfahren des wirtschaftlichen Sektors nach dem, was man Shut Down nennt, böte die Möglichkeit, das ganze ökonomische System einer anderen Logik zu unterstellen. … weiter

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Im gewerkschaftlichen Debattenmagazin “Gegenblende” erschien am 14.2.2020 ein sehr wichtiger Aufsatz von Dani Rodrik über die soziale Ungleichheit. Er appelliert, sich stärker um die Ängste und die soziale Sicherung der Mittelschicht zu kümmern, um Rechtspopulisten und Rechtsextreme zurückzudrängen. In seinem Aufsatz beschreibt er detailliert, welche Maßnahmen helfen können, um die Folgen des Neoliberalismus zurückzudrängen:

Die soziale Schieflage der Mitte
Soziale Ungleichheit wird vor allem mit Blick auf die Unterschicht diskutiert. Das greift zu kurz. Abstiegsängste und soziale Sorgen haben längst auch die Arbeiter*innen und Angestellten der Mittelschicht. Nur wenn wir deren Wohlergehen sichern, können wir unsere Demokratien gegen die Bedrohung durch soziale Unruhen, Rassismus und Rechtspopulisten verteidigen.  Den ganzen Text lesen